Christi-Himmelfahrt-WE 2017 mit der Astro-AG und Heiko
Rieger Offline
#1 Geschrieben : Sonntag, 28. Mai 2017 20:17:12(UTC)


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Hallo ihr Lieben,

nachdem das gröbste Abiturprüfungs-Trulala für mich als Pauker erstmal vorbei ist, folgt endlich mal wieder ein Beo-Bericht von mir vom zurückliegenden Christi-Himmelfahrt-WE, zumal aus der Schule drei Jungs aus Jg. 7 meiner Astro-AG im Firmen-Lieferwagen eines Papas dazu kamen.

Ein kurzer Nachtrag zum Vormonat immerhin: Endlich habe ich am vorletzten Neumond vom Vorsitzenden der Soester Sternfreunde, Herrn von Ohle, nun auch mal messtechnisch bestätigt bekommen, dass ich schon ab 23:00 Uhr MEZ alpinen Himmel über Medebach hatte, der sich bis 1:00 noch steigern konnte, allerdings ohne nochmal gemessen worden zu sein. Außerdem wurden letzte Messier-Objekte, die ich (zumindest aktenkundig angeblich) noch nie beobachtet hatte, wie M 92 (haha), bestimmt aber M 83, M 54, M 69 und M70. Endlich nach 35 Jahren wollte ich doch mal abhaken können, was andere "Marathonis" in einer Nacht abgrasen. Nur ein letztes Objekt entzog sich in der Morgendämmerung noch der Entdeckung.

Nun zum zurückliegenden WE:
Um nicht die 500km Stau auf NRW-Autobahnen am vergangenen Mittwoch im weitere 4-5m zu verlängern, startete ich erst am Donnerstagmittag nach Medebach, als das Wetter erst richtig anständig wurde. Da blieb ich allein, da ich die Dornröschen-Sternwarte erst mal frei mähen musste und das mittlerweile große gewordene Spiel der Newton-Monti in der RA-Achse, wie es Herr von Ohle auffiel, neu einstellen musste, bevor die "Weltraumtouristen anrückten. Heiko erreichte ich auf dem Handy, als er mit Family auf dem Weg nach Aachen war: Er würde wohl erst am Samstag zu mir stoßen.
Am ersten Abend nahm ich neben Jupiter dann den Koma-Haufen und Umgebung etwas aufs Korn mit einigen Galaxien, die sich als erstmals von mit beobachtet erwiesen: NGC 4725, 4747 (neu), 4565, 4494 (neu), 4559, 4448, 4251 (neu), 4278, 4274, 4314 (neu) und 4245.

Am Freitagabend dann kam besagter Papa mit drei meiner AG-Jungs und Grill an. Ich hatte mir nach Abgleich mit dem Beobachtungsbuch fürs Vorjahr (Alle kamen nämlich schon zum 3. Mal an einem Chr.-Himmelfahrt-WE zu mir) ein umfangreiches Fortgeschrittenen-Programm zurechtgelegt, von dem sich trotz der diesmal sehr kurzen Nacht überraschend viel abarbeiten lassen sollte.
Das Handy war mit den 5 Alarmen programmiert für die ISS-Überflüge in der Nacht vom 26.-27.05. Nach dem Grillen und kurz nachdem die Sonne unter dem sichtbaren Horizont verschwunden war, sollte die ISS um 21:44 MESZ aufkreuzen. Nach dem Meridiandurchgang und vor dem Hintergrund des in der südöstlich Atmosphäre aufsteigenden Erdschattens war sie dann freiäugig leicht auszumachen. Die folgenden Überflüge bis 4:10 wurden alle erheblich unproblematischer beobachtet.
In der Dämmerung fingen wir mit Jupiter an, über den hinweg für die Jungs erstmals beobachtet der GRF ziehen sollte und Kallisto (im Teleskop) unterhalb vorbeiziehen sollte.
Mit dem Newton begannen wir mit markanten Einzelsternen: Kohlenstoffstern T Lyrae sowie dem farbenprächtigen Albireo-Paar. Melotte 111 (Koma) wurde mit dem Richie für die später folgende Galaxienjagd schon mal markiert. M 13 und M 92 gingen in fortschreitender Dämmerung auch schon. Mit M 4 wurden die Sichtbedingungen im Süden ausgelotet.
Noch zenitnah eröffnete ich dann die Galaxienjagd für die Jungs mit M 51, um als Kontrast NGC 4565 in Kantenlage zu präsentieren. nach dem Sombrero M 104 schwenkte ich denn südlich in den Virgo-Haufen, drückte den Jungs dann die Steuerung selbst in die Hand, um mit dem 16"er die Makarian-Galaxien-Kette entlang zu fahren.
Nach Kugeln und Galaxien gings dann nebelig weiter: M 27, zwischen beiden Cirrus-Komponenten NGC 6999 und 7000 war das Triangel dazwischen auch überraschend gut zu erkennen, NGC 6888 (Crescent) blieb dagegen flau. Da die Sommer-Milky für die Ruhr-Jungs nun sehr auffällig wurde gings über M 11 in der Schildwolke in den Schützen: Zwischen 2:00 und 3:00 fingen die ersten an abzubauen, rafften sich aber noch für die Gasnebel M 8 (Lagune), M 20 (Trifit) auf, konnten den volkstümlichen Namen für M 17 überraschend wenig nachvollziehen, da auch die entfernteren Außenbereiche mit Nebelfilter gut rauskamen; ich ließ mich dagegen von den Jungs überzeugen, das M 16 seinen Namen wohl doch zurecht trüge. Der stets auf Jupiter ausgerichtete Refraktor wurde zum Abschluss der Nacht, da die Dämmerung sich bereits abzeichnete, auf einen noch sehr wabbeligen Saturn gerichtet und kurz vor dem 4. ISS-Überflug krochen die Jungs in ihre Schlafsäcke. Zwei Meteoriden im Laufe der Nacht und ein Flare um 3:33 im Adler hatten ihre Beo-Nacht noch abgerundet.
Jetzt drängte ich sogar als strenger Lehrer zur Eile beim Bettgang, da ich für mich selbst die Hoffnung noch nicht aufgegeben hatte, in der Dämmerung doch noch mein allerletztes M-Objekt zu sichten und Konzentration brauchte: Von dem südwestlichsten Schützen-Sternchen ausgehend schwenkte ich den Newton weiter nach Osten, bis der Horizont am Okular auftauchte. Mist: Nix zu sehen! - Noch mal zurück zum Schützensternchen, in dessen Nähe M 54 auch nicht mehr in der Dämmerung bei niedriger Vergrößerung zu sehen war. Vielleicht höher gehen mit der Vergrößerung für mehr Kontrast! Noch mal die Literatur befragt: Aha, groß aber mit schwachen Sternen. Außerdem 44min östlich des "Sternchens". Dann mit Hilfe der digitalen Teilkreise an der Steuerung (die ohne Encoder zwar nur "Kappes" anzeigen) per Subtraktion zumindest 44min nach Osten geschwenkt und das Bild angestarrt. Ein dort vorgesehenes Nachbarsternchen stand zumindest an der richtigen Stelle. Nix! Also den Motor auf langsamen Lauf gestellt und hin und her geschwenkt, da das Auge eines Jagdräubers ja bewegte Ziele besser erkennt: Jaaaa!!! Eine überraschend große runde, aber gegenüber dem aufgehellten Hintergrund extrem schwache Aufhellung, für mich ohne erkennbare Aufhellung zum Zentrum hin: M 55, mein letztes "M" nach nur 35 Jahren Astronomie. Immerhin kein kleines Standart-Kugelhäufchen, sondern eines, das ich mir im Sommer bei Höchststand und dunklem Horizonthimmel bestimmt noch mal richtig anschauen werde. Für die Bettschwere (ohne Schüler) ein Weinchen eingeschüttet und tief befriedigt den 5. ISS-Überflug abgewartet, bis mir auffiel, dass in meinem Rücken Venus schon erkläglich hoch am Himmel stand. Im Refraktor wirkte die Sichel wohl Dank ihrer aufgehellten Wolkenhülle schon wie Dichotomie.

Den Tag (27.05) nach einem Frühstück auf der Weide nach Abfahrt der Schüler verpennt. Heute Nacht würde es bestimmt nicht mehr so lange werden. Am Abend des DFB-Pokalfinales würden die Sauerländer doch eh nur "BORUSSIA" gucken, also keine Weltraumtouristen. Einfach in der Dorfkneipe den von mir wertgeschätzen Borussen siegen zusehen und selbst wenn´s bis zum Elferschießen käme, würde es ja eh erst um Mitternacht dunkel. Aber: Kein Publik-Viewing in der Kneipe: Es lohne sich nicht, da der Sauerländer bei dem Wetter lieber im eigenen Garten guckte. Außerdem meldete sich Heiko, dass er vorbei kommen wolle (der hat für´n Fussball eh nix übrig ... und Lengefeld ist ja auch schon Hessen, also potentiell eher "Eintracht-Land" ). Als ich an der Sternwarte eintraf (Spielstand schon 1:1), das Spiel während des Mondsichel-Guckens im Radio verfolgt (leider empfängt man den WDR in Medebach so schlecht, so dass ich der Reportage des HR lauschen musste, die ja zu den "Falschen" hielten.) Nach dem gewünschten und betonsicheren Spielausgang traf Heiko ein. Jupiter bot ja genug Mond-Ereignisse: Ganymed löste sich vor Jupi ab, Europa verschwand dahinter, der Ganymed-Schatten folgte seinem Mond und Io schob sich vor Jupi. Das alles verfolgten wir sporadisch am Refraktor, der auf Jupi gerichtet blieb (größtenteils mit Heikos Bino-Ansatz). Heiko hatte Aufsuchbilder hochgeladen für die aktuelle Supernova in NGC 6946. Der Himmel war noch nicht richtig dunkel und wurde es in dieser Nacht auch nicht mehr so gut, wie in den beiden Vornächten, da am Horizont immer etwas leichtes Wolkengesummsel unterwegs blieb (wie ihr Heikos Szenerie-Fotos entnehmen könnt). Dennoch war die Nova mit etwas höherer Vergrößerung noch leichter zu erheischen. Nach diesem neuen Weltwunder dann schnell zwei Kometen nachgeschoben: Der erste Komet des Abends, C/2015 V2 Johnson, zeigte sich recht prächtig, da mit Schweifansatz; der zweite, 41P/Tuttle-Giacobini-Kresak, inmitten eines kräftigen Sternfeldes so "naja". Nach Heikos Fotosession, von der ich hier mal (Heikos huldvolle Erlaubnis unter Hinweis auf seine Autorenschaft mal unterstellt)

...(Fotos hochladen will jetzt nicht gehen, vlt. stellt Heiko selbst noch welche rein.)...

einige mit hinein stelle, schloss ich für ihn mit Saturn ab, der sich immerhin deutlich ruhiger zeigte, als den Vornächten. Nach Heikos Verabschiedung, notierte ich die neuen Weltwunder des WE: Nur 8, also zweistellig wäre für drei Nächte zusammen schon ehrgeiziger. Demzufolge die Aufzeichnungen und Atlanten verglichen: Im Adler wären noch bequem in zu erwarten baldiger Dämmerung planetarische Nebel zu finden. Bei leicht erhelltem Himmel bewährte sich das Hin-und-Her-Flippen der Nebelfilter im Filterrad, denn NGC 6781 war noch recht groß, doch NGC 6804 und besonders der nördlich benachbarte NGC 6803 waren erst aus zu machen, als mit Filter alle Sternchen dunkeler wurden und die kleinen "Scheißerchen" heller blieben, als die Stern-Nachbarschaft. Bei lachsrot aufgehender Venus machte ich die Bude dicht im Bewusstsein, trotz ihrer Kürze Ende Mai die zusammen mit Schülern erfolgreichste Beobachtungsnacht erlebt und persönlich endlich alle "M´s" erspäht zu haben.

So, Schluß für heute. Bin gespannt, was ihr so getrieben habt bei dem geilen Wetter.

CS.

Hubertus
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Pipo Offline
#2 Geschrieben : Montag, 29. Mai 2017 08:25:45(UTC)


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Moin Hubertus,

ein schöner Bericht, der von einer gelungenen Beobachtung Kunde gibt. Die Bedingungen, die du dort hast, würde ich hier auch gerne mal haben. Aber man muss nehmen, was man kriegen kann.
Ich hatte mir auch einiges vorgenommen, aber zum einen waren die Wetterbedingungen nur am Samstag Abend brauchbar und bedingt durch die hiesigen Einschränkungen in Form von Bäumen und erforderlichem Blendschutz war das Programm doch überschaubar.
Ich trieb mich im unteren Bereich zwischen Coma und Bootes herum und fühlte den dort beheimateten Kugelsternhaufen auf die Zähne. Das war an sich nichts neues, aber ich hatte nun ein 6 mm Ortho parat und ich muss sagen, dass mir das eine neue Sicht auf die Haufen offenbarte. Vor allem M3 und M5 zeigten sich von einer völlig ungeahnten Seite. Der Detailreichtum, den das Ortho hervorzauberte, in Verbindung mit dem Umschalten zwischen direktem und indirektem Sehen bescherte mir unvergessliche Momente.
Leider widersetzte sich NGC 5053 hartnäckig allen Versuchen, ihn zu erkennen. Offensichtlich ist die Flächenhelligkeit zu gering. Ich war erstaunt, wie einfach im Vergleich dazu NGC 4725 erstmals zu sehen gewesen ist.

Jetzt ist die Deepskysaison hier erst einmal beendet, es ist zu hell. Mond, Planeten und Doppelsterne müssen dann als Ersatzfutter herhalten.


Viele Grüße

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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Andreas Offline
#3 Geschrieben : Montag, 29. Mai 2017 08:26:59(UTC)


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Hallo Hubertus,
Glückwunsch zum letztem M nach 35 Jahren. Ich habe nie verstanden, wieso andere sich in einer Nacht da durchhetzen. Bei mir wird es wohl ähnlich lange dauern, wenn ich es überhaupt durchziehen kann/will. Danke für den unterhaltsamen Bericht. Viele der beobachteten Objekte haben wir letzten Donnerstag und Freitag auch beobachten können. Ich durfte am 5. BAN bei den Kisten dabei sein und habe an 2 Abenden auch beobachtet bis mir buchstäblich die Augen zufielen.
Gruß und klaren Himmel
Andreas
Ich sehe was ich sehe - wenn ich es sehe
pescadorTT Offline
#4 Geschrieben : Montag, 29. Mai 2017 22:21:30(UTC)


Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 06.02.2012(UTC)
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Hallo Hubertus,

Heiko berichtete mir schon über eure feine Nacht und ich muss schon zugeben, dass ich ein wenig neidig auf euch und auch auf Dich Andreas und die anderen beim BAN bin BigGrin

Bei mir war es eher das obligatorische Doppelsternsehen bis 4.30 (nicht mag, sondern Uhr), nach einer langen Nacht mit Tanz, Budenzauber, Ringelpietz und Gesöff, bei einer wunderbaren Hochzeit, sogar mit meinem persönlichem kleinen Astro-Highlight: dem ISS Transit RollEyes Wie Du schon meintest Pipo: man muss sich halt damit zufrieden geben, was kommt Smile

Wünsche einen schönen Abend in die Runde,
Sven
Celestron 9.25 XLT | Losmandy G11 | Gemini 2 | MGEN | ED 70/420 | Vixen 102M | Tal 1 | EOS 750D | ZWO ASI 120MC
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