Seit August endlich wieder in Medebach!!!
Rieger Offline
#1 Geschrieben : Dienstag, 6. Dezember 2016 00:36:57(UTC)


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Hallo, Freunde der Nacht,

dass es für mich zuletzt im August gelang, nach Medebach zu fahren, verriet mir Ungläubigen mein Beobachtungsbuch. So oft hatte ich Termine an meiner Sternwarte zuletzt nicht einhalten können. Doch am letzten Wochenende ließ mich meine Holde ziehen für beide Nächte. Dabei wurde es von Ost nach West schön, so dass ich noch bei Regen am 2.12. aus Wanne abfuhr.

Vor Ort zeugte sich, dass die enorme Feuchtigkeit erst gegen 22:30 bis 23:00 Uhr spürbar aus der Luft abnahm und eine gut 1mm dicke Schicht Raureif über alles am Boden zog. Bei diesem diesigen Wetter dacht ich mir, dass Planeten am frühen Abend doch gut gehen mussten und stürzte mich als erstes noch mal auf Mars, der seit seiner Frühjahrsopposition wieder eine komfortable Beobachtungshöhe auf der Ekliptik einnimmt, wenn auch nur noch mit 6,5" x 6" (wegen der 88%igen Phase) Durchmesser.

[img]Bild Nummer[/img]

Was sich auf der Zeichnung zeigt, hätte man im Frühjahr wohl als Große Syrte (zentral) identifiziert mit Hellas hell oben. Doch mit gestiegener Deklination erblicken wir oben wieder die weiße Südpolkappe, angrenzend der Eindruck eines hellen Gebietes wird von Argyre Terra hinterlassen. Das dunkele Zentralgebiet erwies sich nach Abgleich mit Marskarten als Margaritifer Terra, davon ausgehend zieht sich dunkel Richtung auf 10:30 Uhr Noachis Terra bzw. auf 2:00 Uhr Solis Planum. Knapp unterhalb das halbdunkel gezeichnete Gebiet war Sinai Planum erkennbar, an deren Nordrand (unten) das Valis Marineris verläuft (natürlich nicht zu sehen). Unten erschien mir eine Art helles "Herzchen" dessen Flügel sich auf 7:00 Uhr berühren. Der östliche Flügel (links) wird von Arabia Terra gebildet, der westliche (mitte/unten) von Lunae und Tempe Terra). Am Nordrand hätte sich anstelle eines sehr hellen Gebietes Chryse Planitia wieder dunkeler abheben sollen, der Blickwinkel war dazu aber entweder zu flach oder wahrscheinlicher war es unter Wolken verborgen, denn am unteren Rand erschien mir wieder eine Art weiße Kappe). Aber bei max. 6,5" Ausdehnung erkennt man keine wirklichen Formen mehr, sondern eher Albebo-Eindrücke, die von bestimmten Albebo-Gebieten erzeugt werden.

Potenzielle Weltraumtouristen kniffen wohl angesichts der Temperaturen und so sah ich mich der Selbstverpflichtung ausgesetzt, "neue Weltwunder" zu erheischen. Da noch zenitnah begann ich mit NGC 7789 etwas östlich der Kassiopeia, ein sternreicher offener Sternhaufen, den ich bislang links liegen gelassen hatte. Es erwies sich, dass der Himmel trotz herab getauter Feuchtigkeit wohl keine Rekordbeobachtungen zulassen würde und so verfiel ich auf den Gedanken, endlich mal jene Messier-Objekte abzugrasen, die ich trotz 38 Jahren Astronomie und hunderter NGC-, IC-, Melotte-, Jones-, Minkowski- und sonstiger "Schlag-mich-tot"-Objekte laut Beobachtungsbuch (dass ich zugegebenermaßen erst seit 2010 ordentlich führe) noch nie gesehen hatte oder deren Beobachtung ich früher nicht dokumentiert hatte. Ich begann mit der hellen Seyfarth-Galaxie M77: So nahe unter dem Kopf des Cetus vermutlich mit Heiko oder Loeni schon gesehen, aber halt nicht dokumentiert. Sicher zwischen M37 und M38 schon ´zig mal beobachtet, kann ich nun M36 als dokumentiert beobachtet mitzählen, denn offene Sternhaufen sind die Objekte, die man unter der Woche 200m neben zu Hause in Wanne an der Volkssternwarte beobachten kann; da führe ich aber nicht mein eigenes Beobachtungsbuch. Gleich nebenan dann noch das Objekt NGC 1931, den Gasnebel mit den drei Sternen im gleichseitigen Dreieck im Zentrum, als neu abgegrast. M78 östlich des Orion war mir ebenfalls seltsam vertraut mit seiner kometenschweifhaftigen Erscheinung. Tatsächlich nie beachtet hatte ich Kugelsternhaufen M79 unterhalb des Hasen. Entgangen beim häufigen Starren auf M42/43 war mir, dass darum herum die Objekte auf die Namen NGC 1977, 1975 und 1973 hören. Ohne Fön wäre ich geneigt gewesen, noch weitere 70er-Jahre-Nebel zu postulieren, dann kurzzeitig zeigten alle Sterne Nebel, aber NGC 1981 blieb endlich doch nur ein offener Sternhaufen. Nördlich und östlich von Canis Mayor ging es mit offenen Sterhaufen weiter, die ich bislang vernachlässigt hatte und M50 und M48 im Einhorn beinahe zurecht. Lediglich M93 lohnte die Mühe, denn mit seiner Dreiecksform und den Sternketten übte er als offener Sternhaufen doch einen gewissen für mich Reiz aus. Ausgelassen, da tatsächlich schon beobachtet, habe ich den Sombrero M104, auf den ich noch einige Stunden am Morgen hätte warten müssen. Jetzt bleiben noch 7 M´s im südlichen Schützen, meist Kugelsternhaufen für den nächsten Sommer, um nach 39 Jahren Sichtungen zu vermelden, die "Messier-Marathoni" in einer einzigen Nacht abgrasen. M45 diente zuletzt nur der Entspannung.

Am Samstagnachmittag ließ sich Heiko kurz blicken, um Sonne im Lulatsch im Weißlicht (zwei kleinere Fleckengruppen) zu gucken (Meine H-alpha- und Kalzium-Skopes hatte ich nicht mitgenommen.) und um etwas zu quatschen, denn wir hatten uns lange nicht gesehen. Der spitzte mich an, es mal mit NGC 660 kommende Nacht zu versuchen, die er mit 12" versucht hätte, ohne Details zu erheischen, die wohl ab 16" erkennbar würden.

Der Raureif war wesentlich weniger als am Vorabend, doch M 74 in Nachbarschaft zu NGC 660 war zwar groß, aber flau, so dass wenig überwältigendes an der gesuchten Nachbargalaxie zu erwarten war. Ich überfuhr die Stelle sogar mehrmals mit 60x, ohne die Galaxie zu sehen. Endlich gefunden ging ich auf 167x und da Heiko mir Zeichnungen von Beobachtern mit noch gewaltigeren Optiken mit etwas diagonal verlaufenden Staubband und Jets gezeigt hatte, konnte ich die Teilung durch das Staubband immerhin so eben nachvollziehen, von Jets allerdings keine Spur. Bei meinem horizontnahen Herumgerühre kam abschließend noch was Nebeliges raus, dass sich IC 1613 nennt, aber nichts Beschreibbares hervorbrachte. Durstig und müde von der Vornacht brach ich ab und nahm in Oberschledorns letzter Kneipe noch ein paar Absacker, denn da hatte ich mich auch seit Monaten nicht mehr blicken lassen.

Ich war jedenfalls froh, seit langem mal wieder Licht gesammelt zu haben, kann mir familiär aber fürs nächste Jahr noch nicht vornehmen, wieder öfters aufzuschlagen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!!!

CS.

Hubertus
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Hico Offline
#2 Geschrieben : Dienstag, 6. Dezember 2016 12:26:45(UTC)


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Hallo Hubertus,

ein toller BeoBericht von Dir, sehr fein. Und wie ich am Samstag Nachmittag ja auch sagte, erstaunt es mich, dass Du noch immer den Mars auf´s Korn nimmst, obwohl er im Teleskop schon wieder so klein geworden ist. Ich find auch Deine Mars-Detailsbeschreibungen immer wieder beeindruckend. Da liest man in Kombi mit Deinen Zeichnungen gut raus, dass Du Dich auf dem roten Planeten auch ganz gut auskennst - Reschpeckt! ThumpUp

Rieger schrieb:
Am Samstagnachmittag ließ sich Heiko kurz blicken, um Sonne im Lulatsch im Weißlicht (zwei kleinere Fleckengruppen) zu gucken (Meine H-alpha- und Kalzium-Skopes hatte ich nicht mitgenommen.) und um etwas zu quatschen, denn wir hatten uns lange nicht gesehen.


Ja, lange nicht gesehen, das trifft´s leider ... Und dann hatte ich auch nur am Nachmittag Zeit, dank Weihnachtsfeier am Freitag und Geburtstagseinladung am Samstag Abend ... Is ja klar, dass es dann IMMER Himmel gibt ... Crying

Rieger schrieb:
... Der spitzte mich an, es mal mit NGC 660 kommende Nacht zu versuchen, die er mit 12" versucht hätte, ohne Details zu erheischen, die wohl ab 16" erkennbar würden.


Genau, freut mich, dass Du es auch versucht hast. Schade, dass die Bedingungen wohl auch bei Deiner Beobachtung nicht so perfekt waren. Per Starhopping hatte ich die Galaxie am 28.11. ausgehend von M74 recht schnell gefunden, aber in meinem 12"er wollte sich bei ebenfalls nicht perfekter Transparenz, aber gutem Seeing, außer der länglichen Ausdehung kein Detail sicher zeigen.

Rieger schrieb:
Endlich gefunden ging ich auf 167x und da Heiko mir Zeichnungen von Beobachtern mit noch gewaltigeren Optiken mit etwas diagonal verlaufenden Staubband und Jets gezeigt hatte, konnte ich die Teilung durch das Staubband immerhin so eben nachvollziehen, von Jets allerdings keine Spur.


Jets sind das nicht. Es handelt sich bei NGC660 um eine sogenannte Polarring-Galaxie, einem Überbleibsel einer Kollision von zwei Galaxien, wobei dann eine davon im ca. 90°-Winkel gekippt um das Zentrum der zweiten Gx steht. Im großen Nachbarforum war diese Gx als Objekt des Monats auserkoren, wodurch ich darauf aufmerksam wurde und unbedingt mal mit meinem 12"er draufhalten wollte. Ein sehr interessantes und schönes Objekt, wie ich meine.

Rieger schrieb:
Ich war jedenfalls froh, seit langem mal wieder Licht gesammelt zu haben, kann mir familiär aber fürs nächste Jahr noch nicht vornehmen, wieder öfters aufzuschlagen. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt!!!


Ich drücke ganz fleissig die Daumen, dass es wieder öfter werden kann, dass Du in Medebach aufschlägst - damit steigt nämlich auch die Chance der gemeinsamen BeoNächte an Deiner Sternwarte in Medebach. Wink Ich freue mich schon auf die nächsten gemeinsam entdeckten "neuen Weltwunder" ...Smile

Grüße aus Korbach
Heiko
www.Heiko-schaut-ins-All.de

12" Lightbridge Dobson, 6" f/5 Newton auf LXD-75, 5" f/11,8 Maksutov, 4,5" f/7,9 Newton auf mot. azimutaler Montierung, 4" f/4 Kugeldobson, 3" f/9,2 Dobson, 70/700 SkyZebra FH auf Astro-3, 60/900 FH auf EQ-1, Coronado PST auf EQ-2, diverse FG von 7x35 bis 20x80 Triplet, EOS1000Da, EOS750D, ASI120MC
montey Offline
#3 Geschrieben : Dienstag, 6. Dezember 2016 12:51:41(UTC)

Rang: Spechtelprofi
Mitglied seit: 10.09.2008(UTC)
Beiträge: 755
Wohnort: Hunsrück
Hi Hubertus!

schöner Bericht mit einer gelungenen Marszeichnung!
Die Umschreibungen der Objekte macht Lust, selbst den Dobson mal wieder
raus zu stellen. Wenn da nicht mein zerkratzter Fangspiegel wäre :-(

NGC 660 habe ich selbst vor Jahren einmal beobachtet. Ich meine mich
ebenfalls an das Staubband erinnern zu können, aber ich glaube die Jets
sind mit 10" nicht machbar, ausser man steht unter einem Ausnahmesüdhimmel.
Ich werde es mir für die nächste Nacht notieren, die auch noch einmal zu versuchen.

Ach, so eine Sternwarte ist schon was feines. Irgendwie bin ich oft zu faul, den
Dob in den Garten zu stellen, obwohl es nur ein paar Meter sind :-D


Viele Grüße,
Nils





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