ETX 70 für € 100.-- kaufen?
Hagen Offline
#1 Geschrieben : Samstag, 1. April 2017 15:21:24(UTC)
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Hallo Sternengucker,

ich bin ein absoluter Neuling.
Ich hatte mal ein altes Tasco 900mm bin aber nie wirklich richtig mit der Montierung klargekommen.
Also ich habe schon Objekte in den Sucher bekommen, aber mehr durch suchen und rumstochern.
Der Sinn der Zahlen auf der Montierung hat sich mir nie erschlossen, ich habe das Thema aber auch nie richtig verfolgt. Ich hatte das Teleskop geschenkt bekommen.

Nun, einige Jahre später reizt es mich aber doch mal wieder durch ein Teleskop zu schauen und so habe ich mich ein wenig umgesehen.

Ich könnte ein gebrauchtes Meade ETX 70 für €100.-- bekommen, das ist doch günstig, oder?

Ich habe schon einiges gelesen über dieses Teleskop, es kommt ja im allgemeinen nicht so gut weg. Aber für € 100.-- kann man dabei doch nichts falsch machen, oder was denkt ihr?

Ich möchte gerne günstig noch einmal schauen ob die Sternguckerei nicht doch was für mich ist und auch meinem Sohn mal den Mond oder die Planeten mal zeigen (nicht nur in Büchern Laugh)

Also was denkt ihr?

Vielen Dank für Eure Antworten.

lg, Hagen
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Benny Offline
#2 Geschrieben : Samstag, 1. April 2017 18:38:22(UTC)


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Hi Hagen,

ja 100€ sind sehr günstig für ein ETX 70 und es ist schwer dir für diesen eher kleinen Betrag eine bessere Alternative zu empfehlen - ABER

- Das Teleskop hat 70mm Öffnung, das ist Fakt und damit sind keine Wunder zu erwarten, praktisch alle Objekte bleiben sehr schmenenhaft, es gibt einige die besser gehen aber 70mm sind nicht viel
- Das Teleskop hat ein Öffnungsverhältnis von f/5 - das impliziert, dass es sehr anspruchsvoll ist um scharfe Bilder mit den verwendeten Okularen zu bringen - die mitgelieferten tun dies NICHT, vor allem am Rand was bei Sternhaufen ect. durchaus wichtig ist. Passende kosten mehr als das Teleskop
- Das Öffnungsverhältnis von f/5 und die kurze Brennweite von nur 350mm machen es für Planetenbeobachtungen denkbar wenig ideal - höhere Vergrößerungen sind schwer zu erreichen und mit den mitgelieferten Alibi Okularen und der Barlowlinse (Brennweitenverlängerung) eher sehr schlecht als recht :(
- Das Goto System erscheint dem geneigten Einsteiger als tolle Sache - unbenommen, eine klasse Erfindung, aber sie weckt doch falsche Vorstellungen, denn auch wenn du damit eine Unzahl von Objekten automatisch anfahren lassen kannst: 95% der eingespeicherten Objekte bleiben unsichtbar durch die eingeschränkte Öffnung.

Das soll dich jetzt aber nicht demotivieren Wink

Wie gesagt: Bessere Alternativen sind rar bis einfach nicht vorhanden - ich habe sogar schon zweimal das ETX besessen BigGrin aktuell immer noch eines hier (allerdings mit defektem Motor) und wenn man WEISS, dass das Teleskop seine Einschränkungen hat, dann kann man durchaus vieles damit entdecken und es ist verflucht klein und transportabel mit dem Rucksack, das ist schon irgendwie sexy...

Das nächstbessere was ich mit etwas weniger Bauchweh empfehlen würde (auch nicht ganz ohne Bauchweh) wäre das Heritage 130P ... das ist fast doppelt so groß, aber um ein Vielfaches einfacher gebaut und ohne jeden technischen Schickschnack und ebenfalls mit problematischen Öffnungsverhältnis. Preis: etwa 199€ neu etwas günstiger gebraucht

Alternativ gäbe es noch die richtig großen und leistungsstarken 8" f/6 für 200€ gebraucht, neu fast doppelt so teuer... aber denke dabei entfernen wir uns schon etwas vom Budget und einen Trumm dieser größer sollte man vorher auch mal live gesehen haben bevor man ihn sich in den Keller stellt Wink Aber das wäre dann uneingeschränkt leistungsfähig.

P.S.: Hinter den Links verbergen sich Einschätzungen und Erfahrungen zu den Teleskopen auf meiner Seite.

Viele Grüße
Benny
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Hagen Offline
#3 Geschrieben : Sonntag, 2. April 2017 13:15:23(UTC)
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Hi Benny,

Vielen Dank für Deine Antwort.

Ich habe noch mal ein wenig im Netz gestöbert, €100.-- für das ETX-70 ist jetzt auch nicht so wahnsinnig selten, es ist also keine Eile geboten.
Vielleicht sollte ich mich tatsächlich vor dem Kauf ein wenig mehr in die Materie einlesen.

Gib es eine Webseite auf der die verschiedenen Teleskoptypen genauer erklärt werden? Am besten mit aussagekräftigen Bildern was beim Blick durch den Sucher jeweils zu erwarten wäre?
Auch würde mich nun interessierenden was es mit dem Öffnungsverhältnis (f/?) auf sich hat, wird das auch irgendwo erklärt?

Danke,

lg, Hagen
Benny Offline
#4 Geschrieben : Sonntag, 2. April 2017 22:00:03(UTC)


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Hallo Hagen,

du kannst gerne mal etwas in den Artikeln und Teleskopvorstellungen auf meinem Blog (siehe Signatur) stöbern, aber ein paar Sachen kann ich auch gerne direkt erklären:

Das Öffnungsverhältnis ist nichts anderes als das Verhältnis zwischen Brennweite eines Teleskops und der Öffnung (=Linse oder Spiegeldurchmesser). Also nehmen wir mal das ETX dann haben wir eine Linsengröße (=Öffnung) von 70mm und eine Brennweite von 350mm - die Brennweite ist übrigens der Punkt an dem das Licht dass durch die Linse oder auf den Spiegel fällt gebündelt wird. Das Öffnungsverhältnis des 70/350 ist also 1:5 oder einfach f/5 (f ist die Öffnungszahl). Bei Foto-Objektiven spricht man auch von "Lichtstärke", also je kleiner die Öffnungszahl desto "lichtstärker" ist das Objektiv, das ist beim Teleskop ähnlich, wobei hier die Lichtstärke eher bei der Fotografie eine Rolle spielt. Statt lichtstark spricht man bei Teleskopen auch von "schnell" und "langsam" - f/5 ist also ein schnelles Öffnungsverhältnis, während f/10 ein langsames ist.

taunus

Das Öffnungsverhältnis hat nun auf zweierlei Einfluss:

1.) Über die Öffnungszahl kann man die Austrittspupille (AP) eines Okulars berechnen. AP???



Das ist also im Prinzip die Dicke des Lichtbündels, dass aus dem Okular ins Auge fällt.. Man kann rein rechnerisch mit JEDEM Teleskop, jede AP erreichen (wobei nur APs zwiscen ca- 0,6 und maximal 7mm physiologisch Sinn machen). In der Praxis gibt es jedoch Grenzen was die Okulare angeht, so kann man bei Teleskopen mit einer kleinen Öffnungszahl wie eben f=5 schwerer eine niedrigere AP erreichen und mit mit einem mit großer Öffnungszahl fast gar nicht hohe Austrittspupillen.

Eine große AP resultiert in einem helleren Bild (und immer gleichzeitig eine niedrige Vergrößerung), die richtige AP hängt immer stark von der Umgebungsbedingungen und dem Objekt ab.

2.) Die Öffnungszahl hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Abbildungsqualität mit gegebenen Okularen. Das heißt, dass man bei einem schnellen Öffnungsverhältnis wie f/5 starke Randunschärfen mit günstigen Okularen hinnehmen muss, Okulare, die mit diesem Verhältnis klar kommen und das weitestgehend korrigieren kosten einiges an Geld, die günstigsten die das halbwegs gut schaffen kosten merklich über 100€ die besten ein vielfaches.

Auf Deutsch: Kaufst du dir ein Teleskop mit f/5 wirst du - vorrausgesetzt, dass du den grundsätzlichen Spaß behälst und fleissig beobachtest - wirst du über kurz oder lang Okulare haben wollen die ins Geld gehen Wink Kaufst du dir aber eines mit f/10 wirst du mit den vorhandenen Okularen schwer bis gar nicht ein helles Bild mit hoher AP erhalten. Ein Teufelskreis. Im Ergebniss, haben viele entweder mehrere Teleskope für ihren jeweils speziellen Einsatzzweck oder aber ein Teleskop mit einem entspannteren Öffnungsverhältnis von f/6 bis f/7 ... oder aber: Man findet seine Lieblingsobjekte und richtet sein Equipment darauf aus.



Teleskoparten... du hast ja sicher schon gesehen, dass es sich grob (!) in Linsen- und Spiegelteleskope aufteilt. Beide haben Vor- und Nachteile. Ich gebe nur mal einen Abriss, denn das Thema füllt BÜCHER!

Linsen: Auch Refraktoren - sehen erstmal genau wie "das typische" Teleskop aus. man schaut hinten rein, sie sind fast immer auf parallaktischen Montierungen montiert, die sind nicht ganz so trivial zu bedienen und etwas weniger intuitiv wie andere Montierungsarten. In der Regel sind sie vom Öffnungsverhältnis etwas langsamer als Spiegelteleskope, aber es gibt Ausreisser in beide Richtungen. Größter Nachteil ist, dass Linsenteleskope die blöde Angewohnheit haben das Licht zu brechen Wink Dabei kommen die verschiedenen Wellenlängen des Lichts leider nicht immer am selben Punkt in den Brennpunkt, dadurch ergibt sich ein Farbsaum bei hellen Objekten wie Sternen und Planeten und damit eine Unschärfe. Das würde übrigens recht gut sichtbar sein am ETX70! Ich zeige dir mal ein Bild, dass ich durch einen 102/500 Refraktor gemacht habe, da sieht man die violetten Höfe um die Sterne sehr gut-



Das Problem umgehen moderne Refraktoren durch eine Kombination mit verschiedenen Glassorten um diesen Farbfehler zu minimieren, das kostet leider ein Heidengeld, so dass ein Teleskop mit den Daten wie das ETX dann gerne mal 500€ aufwärts kostet - NUR das Teleskop wohlgemerkt, ohne Montierung oder Zubehör. Ein Vorteil ist, dass sie gegenüber einem gleichgroßen Spiegel einen etwas besseren Kontrast bieten, weil sie nicht durch weitere Dinge im Strahlengang obstruiert werden (also Licht irgendwo zwischen Linse und Auge geblockt wird)

Spiegel: Spiegel haben eine ziemliche Bandbreite von Bauarteb aber die einfachste, erschwinglichste ist das Newton Teleskop nach seinem Erfinder benannt. Dabei ist der Spiegel wie beim Linsenteleskop in einem Tubus verbaut, allerdings nicht vorne sondern am hinteren Ende, das Licht fällt dort drauf, wird zu einem kleinen Fangspiegel im inneren des vorderen Tubus reflektiert und von da aus seitlich zum Okular, man schaut also nicht hinten hinein, sondern seitlich vorne. Ein Vorteil ist, dass Spiegelteleskope bei gleicher Größe der Öffnung oft etwas kürzer und leichter sind als Linsen, außerdem brechen sie das Licht nicht, weswegen es keinen Farbfehler gibt. Dafür leiden sie bei einem schnellen Öffnungsverhältnis unter Koma, das ist eine Verzeichnung von punktförmigen Lichtquellen (=Sternen) am Rand, auch hier greift wieder was ich oben zu den guten OKularen geschrieben habe... Spiegel sind durch die Bank weg bei gleicher Größe merklich günstiger - bei billigen muss man aber sehr vorsichtig sein, oft sind die ganz kleinen auch nicht so wirklich toll gefertigt. Auf spezielle Spiegelteleskope wie Maksutovs oder Schmidt-Cassegrains gehe ich mal nicht ein, die sind ohnehin alle weit weit weg von dem Budget, dass du da ins Auge gefasst hast.

Ich hoffe ich habe dich damit nicht mehr verwirrt, aber das sind so ein paar Grundlagen zum Einstieg Wink Auf meiner Seite (oder weiteren via Google "Astrosketch"Wink findest du auch etliche Zeichnungen mit verschiedenen Teleskopen, da sieht man dann auch die Unterschiede verschieden großer Teleskope.

Viele Grüße Benny
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Manfred Offline
#5 Geschrieben : Montag, 3. April 2017 12:08:01(UTC)


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Hallo Hagan,

ich habe schon seit langem ein ETX 70.
Du kannst mal http://www.astrotreff-de...-mit-Polhohenwiege.aspx
schauen, da habe ich es mit einer Polhöhenwiege versehen.

Beste Grüße

Manfred
Hagen Offline
#6 Geschrieben : Sonntag, 9. April 2017 10:33:22(UTC)
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Hallo Benny,

Vielen Dank für Deine sehr ausführliche Antwort.
Ich bin leider erst jetzt dazu gekommen es zu lesen, da mich in den letzten Wochen die Grippe 😷 stark mitgenommen hatte.
Wenn ich das also richtig verstehe gilt es eine Balance zu finden zwischen Qualität der Abbildung und Geldbeutel, welches man dadurch optimiert, dass man sich entscheidet was man betrachten möchte. Offenbar gibt es auch hier nicht die berühmte Wollmilchsau.
Habe ich das auch richtig verstanden, dass bei besserem (schnellerem) Öffnungsverhältnis die benötigten Okulare teurer werden?

Ich habe mal ein paar ETXe auf eBay beobachtet, da ging neulich eins für € 66.-- über den Tisch, ich denke zu dem Preis ist es ein sog. "No Brainer" also ein Kauf bei dem man nicht nachdenken muss.

Aber auf lange Sicht denke ich sollte ich mir ein "richtiges" Teleskop kaufen, ich bekomme nämlich, bei der Beschäftigung mit dem Thema, immer mehr Lust wieder in die Sternenguckerei einzusteigen. Was ich hier im Forum gelesen habe, werden ja die Dobsons immer sehr begeistert empfohlen, wahrscheinlich sollte ich mich hiermit mal vertraut machen.

Nehmen wir also an, zur Kostenoptimierung sage ich, ich möchte in unserem Sonnensystem bleiben und z.B. Saturn mit seinen Ringen wirklich sehen und nicht nur erahnen,
Was wäre für diesen Einsatzzweck die richtige (erweiterbare?) Grundausstattung?

@ Manfred, diese Konstruktion sieht spannend aus. Ich habe leider nur noch nicht verstanden welchem Zweck sie dient. Ist es damit man mit dem ETX, besser senkrecht nach oben schauen kann? Deine Bilder von Saturn waren für mich jedoch eher ernüchternd was das zu erwartende Ergebnis mit dem ETX angeht. So richtig kann man Saturn ja nicht sehen. Kann man Saturn mit dem ETX nicht besser bzw. größer sehen oder liegt das daran, dass man beim Fotografieren keine Okulare dazwischen hat?

Liebe Grüße, Hagen
Pipo Offline
#7 Geschrieben : Montag, 10. April 2017 08:19:00(UTC)


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Moin Hagen,

hier ist eine ausführliche Beschreibung des ETX von Forenmitglied Hico. Klar, um die 70 Euronen kann man schon mal so ausgeben. Aber besser wäre es doch, das Geld richtig zu investieren. Lies erstmal Heikos Bericht

http://www.heiko-schaut-...amp;id=87&Itemid=98


Viele Grüße

Pipo
Man darf ruhig dumm sein. Man muss sich nur zu helfen wissen.
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6" f8 auf BigBox, 4,5" Schienendob, 3" Dob
102/1300 Mr. Maksutov
60/150-Refraktor "Der Kleine Muck",FG 10x50
42 mm 2", 25 mm HR Planetary, 20 mm Silber Plössl, 15 mm WA,
12,5 mm Silber Plössl, 8 mm HR Planetary, TAL-Barlow 2x
Manfred Offline
#8 Geschrieben : Donnerstag, 13. April 2017 18:11:49(UTC)


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Wohnort: 86381 Krumbach
Hallo Hagen,

das ETX 70 hat eine azimutale Montierung, das heißt bei längerer Beobachtung werden die Objekte gedreht. Durch die Polhöhenwiege erreicht man eine quasi parallaktische Montierung und das Drehen
der Objekte fällt weg; das ist vor allem interessant wenn man auch fotografieren will. Das ETX 70
hat Motoren und man kann Langzeitbelichtungen machen, wie Du in meinem Bericht hier im Forum sehen
kannst. Klar die optische Leistung des Teleskop's ist nicht die Beste.

Beste Grüße

Manfred
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